Griechenland

Griechenland

Griechenland (das alte, Hellas, Graecia), nimmt von der Halbinsel des Hämus den südl. Theil ein; es wird durch den Pindus und dessen westl. und östl. Ausläufer von Macedonien u. Illyrien geschieden u. erstreckt sich bei sehr wechselnder Breite in einer Länge von 55 Ml. in das Mittelmeer; das Cap Matapan (Malca) bildet jedoch nicht die südlichste Spitze Europas, wie gewöhnlich angenommen wird, sondern das span. Cap Tarifa. Das ganze Land ist von vielfachen Verzweigungen des Kalkgebirges erfüllt, das meist schroff von der Thalsohle aufsteigt und sich zu kleinern u. größern Hochflächen ausbreitet, deren Rand wie der Jura durch einzelne Kuppen u. Spitzen gekrönt wird. Der tiefere Theil der Thalsenkung zwischen den Ausläufern des Gebirgs ist von dem Meere bedeckt, das in Busen u. Buchten sich ausbreitet, eine Menge Vorgebirge, Landzungen u. Halbinseln bildet, so daß G. von allen Ländern der Erde die größte Küstenentwicklung aufzeigt (722 geogr. Meilen, während Italien 580, Frankreich 275 hat). Diese Gebirgs- und Küstenbildung ist aber auch die Ursache, daß ganz G., den thessalischen Peneus ausgenommen, nicht einen einzigen eigentlichen Fluß, sondern nur Gebirgsströme hat. Da indessen die Gebirge bis 4000', einigemal bis 8000' ansteigen, demnach den Schnee des Winters über 6 Monate tragen, durch ihre Erhebung in die kälteren Schichten der Atmosphäre deren Dünste niederschlagen und einsaugen, während zugleich das Meer die Luft mit Wasserdunst erfüllt, so würde G. nicht als »ausgebrannt« geschildert werden, wenn nicht die Unvernunft späterer Generationen die Wälder ausgerottet hätte, welche die alte Welt den Göttern des Landes weihte und schonte. Das alte G. umfaßte 4 Theile: Nord-G., Mittel-G. (das eigentl. Hellas), die Halbinsel Peloponnes, eine beträchtliche Anzahl großer u. kleiner Inseln. Der ganze Flächeninhalt beträgt wenig mehr als 2000 QM., auf welchen in den besten Zeiten 6–8 Mill. Menschen wohnten. Nord-G. bestand aus Thessalien u. Epirus; Mittel-G. aus: Acarnanien, Aetolien, Doris, Locris (in das ozolische, epicnemidische und opuntische getheilt), Phocis, Böotien, Attica u. Megaris. Der etwas über 400 QM. große Peloponnes (Morea) hängt mit Hellas nur durch die 7/4 St. breite Landenge von Korinth (kor. Isthmus), einem Felsenrücken, zusammen u. trägt als Mittelpunkt das arcadische Gebirgsplateau, dessen Ausläufer die messenische, laconische u. argolische Halbinseln bilden. Die Landschaften des Peloponneses waren: Laconien, Messene, Arcadien, Elis, Achaja, das Gebiet von Korinth, Sicyon, Phlius, die argolische Halbinsel. Von den Inseln rechnete man zu G.: die jonischen im adriat. Meere, die Inseln der Golfe, Euböa, die Cykladen, das große Kreta mit seinen Nebeninseln. Die Erzeugnisse G.s sind ungefähr wie die Spaniens; auf dem böotischen Höhenzug des Phöniciums wuchs die Dattelpalme, an Arabien u. Nordafrika erinnernd; gepriesen waren aber Hellas, der Peloponnes und die Inseln durch ihre Menge an Feigen- u. Oelbäumen, an herrlichen Weinen, durch den sorgfältigen Anbau von Weizen u. Gerste; Thessalien zog treffliche Pferde, Epirus das schönste Rindvieh, während auf den Felsen der Gebirge Ziegen und Schafe ihre Nahrung fanden. An Metallen wurde Silber in Attika u. Euböa, Eisen an vielen Stellen gewonnen; Attica, Laconien, Euböa, besonders aber die Insel Paros lieferten herrlichen Marmor. Das heutige Königreich G. hat durch die feindselige Politik Englands eine verkümmerte Gestaltung erhalten. Thessalien bis an den Othys u. Epirus blieben der Türkei, ebenso die wichtige Insel Kreta u. den Engländern die jonischen Inseln. Es beschränkt sich also auf Hellas, den Peloponnes u. die cykladischen Inseln u. hat einen Flächeninhalt von 717 QM. mit vielleicht einer Million Einwohner, die dem kleinsten Theile nach hellenischer, in der Mehrzahl slav. und albanesischer Herkunft sind. Die Eintheilung des Landes ist der alten angepaßt: 10 Nomarchien, welche in 49 Eparchien getheilt sind. Die Verfassung des Landes ist seit 1844 die constitutionell-monarchische, der Thron erblich in männlicher Linie, der nächste Monarch muß sich zu der griech.-orthodoxen Kirche bekennen. Diese ist von dem Patriarchen in Konstantinopel unabhängig und hat an ihrer Spitze die hl. Synode, welche aus 5 Bischöfen u. einem königl. Rathe besteht. Die Klöster sind ziemlich zahlreich, jedoch meistens arm, die Weltgeistlichkeit dürftig besoldet. Auf den Cykladen wohnen 24000 röm. Katholiken (aus der venetian. Zeit her), welche unter dem Erzbischof von Naxos, den Bischöfen von Syra, Tinos und Santorin stehen. Das Budget von 1853 ergab eine Einnahme v. 21537439 Drachmen u. eine Ausgabe v. 19408081 Dr. (die Drachme = 7 Sgr. 25/6 Pf. oder 21 kr. C.-M.). Der Finanzzustand hat sich neuester Zeit sehr verschlimmert, woran die periodischen Mißhandlungen durch die Engländer, die Traubenkrankheit, die von England genährten innern Unruhen und 1854 die unpolit. Feindseligkeit gegen die Türkei Schuld tragen. Die Staatsschuld (Hauptmasse das Rothschildʼsche Anlehen von 60 Mill. Fr., deren Verzinsung von England, Rußland u. Frankreich verbürgt wurde) führt jährlich 41/2 Mill. Drachmen als Zinsen in das Ausland. Das Landheer, 1853 an regelmäßigen u. unregelmäßigen Truppen beinahe 10000 Mann betragend, ist gegenwärtig in Folge der Freischaarenzüge nach Thessalien und Epirus fast gänzlich aufgelöst, die Seemacht zählt nur kleinere Schiffe mit nicht 100 Kanonen. An höhern Unterrichtsanstalten hat G. 1 Universität zu Athen, 4 Gymnasien (Athen, Patras, Nauplia, Syra), 2 Schiffahrtsschulen (Nauplia und Syra), zu Athen 1 Kriegs- und 1 polytechn. Schule; die meisten Gemeinden haben Primärschulen. Ackerbau u. Viehzucht arbeiten sich mit Mühe empor, weil G. von den Türken während des Befreiungskrieges in eine Wüste verwandelt wurde; noch sind die niedergebrannten Oel- und Maulbeerbäume, früher eine Hauptquelle des Erwerbs, nicht ersetzt, doch ist die Korinthenausfuhr aus dem Peloponnes von Bedeutung und der Wein der Insel Santorin findet in Altengland Beifall. Die Industrie beschränkt sich auf das nöthigste Gewerbe u. hat erst in Seide u. Baumwolle einige größere und wohlgelungene Versuche gemacht. Um so beträchtlicher ist die Rhederei, welche hauptsächlich von den Inselgriechen betrieben wird; die griech. Handelsmarine zählte 1853 bereits 4230 Schiffe zu 247661 Tonnen Gehalt, mit 26300 Matrosen, deren Genügsamkeit es den Kapitänen möglich macht, die Frachten wohlfeiler als namentlich die Engländer und Franzosen zu verführen. – Geschichte. Die mythische Vorzeit. Die ältesten Bewohner G.s waren Pelasger, ein Volksname, der auch in Kleinasien u. Italien erscheint. Sie trieben Viehzucht, Acker- u. Bergbau, Schiffahrt, umgaben Städte mit cyklopischen Mauern, hatten Tempel und Orakel. Sie wurden von den Hellenen, einem von Norden her eindringenden, jedenfalls stammverwandten Volke überwältigt, mit dem sie zu einer Nation verschmolzen. Die Hellenen leiteten ihren Namen von dem mythischen Hellen, dem Sohne Deucalions, ab u. ihre Stämme: Aeolier, Dorier, Ioner, Achäer, von seinen Söhnen u. Enkeln. Die Ausbreitung dieser hellen. Stämme kann nicht geschichtlich verfolgt werden, indem alle Namen noch mythisch sind u. an eine Chronologie gar nicht zu denken ist. In dieser Zeit streiten und dulden die Götter- und Heldensöhne: Heracles (Hercules), Theseus, Minos, Jason, Castor, Pollux, Oedipus, Adrastus, Amphiaraus etc., die in Liedern fortlebten u. der spätern Poesie einen unerschöpflichen Stoff darboten. Den Schluß der Mythenzeit bildet der trojanische Krieg, den man gewöhnlich in die Jahre 1194 bis 1184 v. Chr. setzt, dessen histor. Gehalt nicht zu enträthseln ist. Er wird als ein nationales Unternehmen gegen das asiat. Volk der Trojaner in Phrygien geschildert u. bezeichnet jedenfalls den Gegensatz des griech. Wesens gegen das asiat. Letzteres erscheint entweder als ein wildes, barbarisches, oder auch in seiner Cultur als ein durch Despotie u. Priesterkasten gebundenes. Die alten Griechen hatten allerdings auch Könige, und die Monarchie widerstrebte dem griech. Geiste niemals, aber ihre alten Könige waren patriarchalische Richter und Anführer des Volks u. keine Sultane; der Grieche war immer Bürger eines Gemeinwesens, ob ein König od. ein Rath edler Geschlechter od. eine selbstgewählte Obrigkeit an dessen Spitze stand. Die Religion der Griechen war die von den Vätern überlieferte; die Träger der Ueberlieferung waren aber keine geschlossene Priesterschaft mit heil. Büchern und unnahbaren Geheimnissen (Inder, Aegypter, Babylonier), sondern die Familienväter, die Geschlechter u. Stämme, welche in Liedern, Gebeten, Opfern u. Gebräuchen die Religion ihren Söhnen, Geschlechts- und Stammgenossen übergaben. Die griech. Religion, die wie jede heidnische die Naturmächte göttlich verehrt u. in weiterer Fortbildung denselben sittliche Mächte anreiht, konnte sich wegen des Mangels einer eigentl. Priesterschaft und heil. Bücher nicht zu einer systematischen Einheit ausbilden. Sie mußte sich in den verschiedenen Städten u. Landschaften je nach den Einwirkungen der Natur, der Schicksale u. fremder Religionen sehr mannigfaltig entwickeln, so daß kaum die Grundlagen der Religion gemeinschaftlich blieben, was man den aus der Vorzeit herübergekommenen gemeinschaftlichen heil. Orten (Dodona, Delphi, Eleusis, Olympia, Delos) zumeist verdankte. Der Grieche war daher in religiöser Beziehung nur an Lieder und Gebräuche gebunden, an eine ganz locale, an andern Orten wieder anders gestaltete Religion, die wesentlich den Charakter der Poesie an sich trug und eben deßwegen dem denkenden Geiste eine Freiheit gestattete, welche das indische Religionssystem mit Aechtung und Tod bestraft hätte. G. ist deßwegen das Vaterland der Philosophie geworden wie das der bürgerlichen Freiheit und der schönen Künste. Gewöhnlich nimmt man einen großen Einfluß ägypt. und phönicischer Elemente auf die Entwicklung G.s an, fußt aber dabei auf nichts anderes als das Raisonnement von Schriftstellern, welche sich die uralte Cultur Asiens als die nothwendige Mutter der spätern griech. dachten, wobei übrigens durchaus nicht geleugnet werden soll, daß der Verkehr mit den Phöniciern den Griechen nicht neben ihren verschiedenen Waaren auch gewerbliche Künste, die Buchstabenschrift, und wo sie sich wie auf Cythere ansiedelten, fremden Cult mitgetheilt hätten, wodurch übrigens die ganz eigenthüml. u. selbständige Entwicklung des HellenTürken, volkes nicht gestört wurde. Der Einfluß des Orients auf das hellenische Wesen zeigt sich erst, als die Hellenen nach Asien auswanderten und ein asiat. G. gründeten. Veranlassung dazu gab die dorische Wanderung oder die sog. Rückkehr der Herakliden in den Peloponnes um 1100 vor Chr. Durch die Einwanderung der thesprotischen Thessaler in das südwestl. Thessalien, wo sonst Aeolier wohnten, erfolgte ein Stoß auf die Bevölkerung der griech. Gaue, der bis zur Südspitze des Peloponneses wirkte, in Folge dessen die Böotier die von ihnen benannte fruchtbare Landschaft besetzten, die am Oeta und Parnaß angesessenen Dorier in Verbindung mit Aetoliern die Achäer im Peloponnes unterwarfen oder an die nördl. Küste drängten, wo ihnen die Ioner weichen mußten, so daß der jonische Stamm sich auf dem Festlande nur in Attika behauptete. In Folge des dor. Sturmes wanderten Schaaren von Aeoliern, Achäern und Ionern an die Küsten Kleinasiens u. die Inseln, wo sie Städte gründeten, die eine lockere Eidsgenossenschaft verband; auch Dorier folgten u. gründeten weiter südwärts in Carien, sowie auf Kreta, Rhodos, Kos etc. 6 größere Städte. Diese asiat. Colonien wuchsen zu großen Handelsstädten heran (Milet, Halicarnaß, Smyrna, Ephesus, Chios, Samos etc.), die den Verkehr Vorderasiens mit Europa vermittelten und die Phönicier aus dem schwarzen Meere u. dem Archipel vertrieben; der Reichthum dieser Städte rief jenes Gefühl des Glückes in das Leben, dem die Künste und Wissenschaften ihr Dasein verdanken. Im griech. Asien traten die ersten griech. Künstler, Dichter und Philosophen auf, und von Asien aus wurde ein ähnliches Leben und Streben im Mutterlande angeregt. Indessen war mit der Auswanderung nach Kleinasien die Strömung in die Ferne nicht geschlossen; vom 11. bis zum 5. Jahrh. dauerte sie fort und war im 7. und 8. am stärksten. Die Küsten des Pontus und der Propontis, des Bosporus und Hellesponts, Thraciens und Macedoniens empfingen Colonisten aus Hellas und den jonischen u. äolischen Städten, während die Peloponnesier sich nach Cypern, Kreta, Cyrene in Afrika, besonders aber nach Sicilien und Unteritalien wandten; selbst an der gallischen u. span. Küste fehlten griech. Colonien nicht gänzlich (Massilia, Sagunt). Diese späteren Auswanderungen waren theilweise Ergüsse der übervölkerten Städte und Landschaften, theils Folgen innerer Erschütterungen. In dieser Periode nämlich verwandelten sich die meisten griech. Städte in Republiken, keineswegs jedoch nach dem durch die neueste Revolutionslehre aufgestellten Grundsatz: das Volk, d.h. die Mehrzahl, kann thun was sie will, sondern auf einem sehr natürlichen Wege. Die hellenischen Eroberungen u. Ansiedelungen auf Kosten der Pelasger waren unter Häuptlingen edler Abkunft, Könige genannt, geschehen u. diese Könige standen auch nach der Eroberung an der Spitze der Gemeinde, konnten jedoch ohne die Einwilligung der vornehmen Bürger in Gemeindesachen nichts unternehmen. Die meisten dieser königl. Geschlechter starben im Laufe der Zeiten aus oder richteten sich durch Frevelthaten zu Grunde; die vornehmen Bürger wählten nun keinen neuen König aus ihrer Mitte, weil keiner ererbte Ansprüche hatte und regierten nun ohne König die Gemeinde in der alten Weise fort, da sich bei dem kleinen Umfange dieser Staaten (es waren Gemeinden) das Bedürfniß nach einheitlicher Leitung kaum geltend machen konnte. Die Monarchie war so zur Aristokratie geworden, d.h. die Gemeinde wurde von den vornehmen Bürgern regiert. Gegen diese erhoben die gemeinen Bürger Ansprüche, als deren Zahl wuchs und besonders in Städten, wo sie durch Handel reich wurden. Durch solche Reibungen wurden bald aristokrat. Familien mit ihrem Anhange zur Auswanderung genöthigt bald demokratische, bald wanderte ein Haufen gemeinen Volks mit Unterstützung der vornehmeren Bürger aus. In den jonischen Städten siegte in der Regel die Demokratie, in den dorischen die Aristokratie; denn die Dorier waren ernsterer, härterer Natur, u. nahmen die Unterworfenen nicht in die Gemeinde auf, so daß die Dorier als herrschende Gemeinde den unterworfenen Landgemeinden u. Hörigen gegenüberstanden u. sich deßwegen zu strengerem Zusammenhalten, folglich zu einer weniger freien Verfassung getrieben sahen. Dies zeigt sich bei Sparta, dem mächtigsten dorischen Staate, in seiner Stellung zu den Periöken (Landgemeinden) und den Heloten (Leibeigenen), dessen Verfassung Lycurg im 9. Jahrh. ausbildete, u. bei dem jonischen Athen, dem Solon 594 vor Chr. Gesetze gab. Die dorische Stadt blieb Aristokratie u. Landmacht, auf Agricultur angewiesen, die jonische wurde Demokratie, See- u. Handelsmacht; die eine blieb ernst, den Künsten abhold, herrsch süchtig und gewaltthätig, die andere wurde der Sitz heitern Lebensgenusses, unternehmungslustig und wenn sie auch Gewaltthaten nicht immer vermied, so blieb sie doch humaner als Sparta. Athen führte auch die Perserkriege (500–449 v. Chr.) herbei, mit denen eine neue Epoche G.s beginnt. Auf die Zusage athenischer Hilfe empörten sich die kleinasiat. Griechen gegen den Perserkönig, der Aufstand scheiterte jedoch gänzlich u. der Perserkönig wandte seine Waffen gegen G. selbst. Der erste pers. Feldzug brachte die Städte am Hellespont an der thrac. und macedon. Küste sowie den König von Macedonien unter pers. Oberherrschaft (492), der Angriff gegen Athen fand jedoch durch die Schlacht von Marathon (29. Sept. 490) ein ruhmloses Ende. Noch übler erging es dem Könige Xerxes, der eine ungeheure Land- und Seemacht nach G. führte, die bei Salamis (23. Sept. 480), bei Platää (25. Septbr. 479) und dem kleinasiat. Vorgebirge Mykale den Untergang fand. Die Griechen führten nun einen Angriffskrieg und entrissen demselben alle Seestädte im Pontus, Propontis, Bosporus, Hellespont und alle asiat. Küstenstädte griech. Ursprungs; mit Mühe behauptete Persien Cypern u. Aegypten. Weil der Krieg der Hauptsache nach Seekrieg sein mußte, wurde Sparta nach der Schlacht von Platää von Athen, das die meisten Schiffe gestellt hatte, um so leichter von dem Oberbefehle hinweggedrängt, als die Spartaner hei ihrer geringen Seemacht ihrer dorischen Härte gegen die Bundesgenossen, meistens demokratische Inselgriechen, freien Lauf ließen. Athen benutzte seine Hegemonie (477–431 vor Chr.) vortrefflich zur Vergrößerung seiner eigenen Macht u. brachte alle sog. Bundesgenossen in Abhängigkeit. Es war aber nicht nur die erste See- und Handelsmacht G.s, sondern auch der Mittelpunkt des geistigen Lebens der Hellenen, das durch den Sieg über die pers. Weltmonarchie einen hohen Aufschwung genommen hatte. Die Zeit, in welcher Perikles durch die Macht seines überlegenen Geistes das demokratische Athen regierte, war in jeder Hinsicht G.s schönste Zeit; der größte und regste Theil des griech. Volks war politisch zu einem Bunde geeinigt, die Fehden der einzelnen Städte, die gewöhnlich fremde Einmischung zur Folge hatten, hörten auf; alle Städte genossen des Friedens u. beispiellosen Wohlstandes, Künste und Wissenschaften blühten in der Weise, daß das perikleische Zeitalter eines der goldenen bezeichnet und der ganzen Menschheit in den Erzeugnissen der Baukunst, Sculptur, Poesie, Beredtsamkeit, Geschichte u. Philosophie unschätzbare Güter hinterließ. Athens u. G.s Blüte brach der peloponnes. Krieg (431–404 v. Chr.), den Sparta im Vertrauen auf den Abfall der athen. Bundesgenossen begann u. siegreich endigte, als nach Perikles Tod die Athener sich von dem gewissenlosen Alcibiades zu der fernen Unternehmung gegen Syrakus auf Sicilien verleiten ließen und dabei ihre Seemacht und den besten Theil ihrer Bürgerschaft verloren, und Sparta sich endlich kein Gewissen daraus machte, die pers. Hilfe gegen Athen zu gebrauchen. Die darauf folgende Hegemonie Spartas (404–371) wurde von demselben zu der blutigen Einführung der Aristokratie in allen griech. Städten mißbraucht u. als es einen Krieg gegen Persien begann aber nicht mächtig genug war ihn zu führen und gleichzeitig seine Feinde in G. niederzuhalten, opferte es unbedenklich im antalcidischen Frieden (387 v. Chr.) die asiat. Griechen dem Perserkönige. Doch wurde es auch dadurch nicht gerettet; der Aufstand der Thebaner gegen die von Sparta geschützten Oligarchen (378) führte zu einem Kriege, in welchem der Thebaner Epaminondas durch seine neue Taktik bei Leuktra u. Mantinea (371 u. 362) den Ruhm der Unüberwindlichkeit des spartan. Fußvolks und den Kern der spartan. Bürgerschaft vernichtete. Doch beruhte Thebens Ueberlegenheit einzig auf dem Feldherrngenie des Epaminondas u. hatte deßwegen ein augenblickliches Ende, als derselbe bei Mantinea fiel. Eben so wenig konnte Athen od. Sparta wieder einen Vorrang geltend machen, u. es entstand ein wirres Getriebe unter den vielen griech. Republiken, dessen Fäden der Perserkönig durch seine Pascha in Vorderasien so lange leitete, bis der macedonische König Philipp eingriff. Wie Gustav Adolf von Schweden durch Eroberungen über Polen und Russen nicht nur die Macht Schwedens verdoppelt, sondern zugleich seine monarchische Gewalt gehoben und sich ein ganz ergebenes und wohl geübtes Heer herangebildet hatte, und jetzt erst die Religionsstreitigkeiten in Deutschland zu dessen Unterwerfung benutzen wollte, worin er lediglich durch seinen Tod bei Lützen gehindert wurde: so und mit demselben Erfolge bekriegte Philipp zuerst die thracischen u. illyrischen Völkerschaften, nahm hierauf die griech. Colonialstädte an den thracischen u. macedonischen Küsten u. benutzte den sog. hl. Krieg (die von den Thebanern angegriffenen Phokeer hatten in ihrer Noth die ungeheuren Tempelschätze in Delphi säcularisirt und damit ein Söldnerheer geworben, mit dem sie der griech. Execution Trotz boten), um in G. bewaffnet zu interveniren u. eine Stellung einzunehmen, aus welcher er nicht mehr zu verdrängen war. Ein zweiter hl. Krieg (gegen die Lokrer von Amphissa, die delphisches Tempelland occupirt hatten) gab ihm Gelegenheit, sich Elateas, des Schlüssels von Böotien, zu bemächtigen, und dieser kühne Griff überzeugte endlich Athener, Thebaner, Korinther u. einige andere Städte, daß der athenische Redner Demosthenes richtig gesehen habe, als er bei den ersten Unternehmungen des Macedoniers einen griech. Bund anrieth, um der drohenden Gefahr bei Zeiten vorzubeugen. Ein Heer von 40000 Griechen unterlag 338 bei Chäronea nicht der Tapferkeit der Macedonier, sondern der überlegenen Taktik ihres Königs, u. so fiel die Selbständigkeit G.s wenigstens ehrenvoll. Ueberdies kam G. nie ganz unter macedonische Herrschaft, obwohl Philipp zum Oberfeldherrn aller Griechen gegen die Perser erklärt wurde u. nach dessen Ermordung eine von Theben begonnene Auflehnung gegen die macedonische Hegemonie von Alexander d. Gr. niedergeschmettert wurde. Ebenso mißlang während des pers. Feldzugs eine Schilderhebung der Spartaner, welche bei Megalopolis von den Macedoniern unter Antipater besiegt wurden. Nach Alexanders d. Gr. Tod (323) erhob sich Athen abermals u. bewog fast ganz Mittel-G. zur Theilnahme an dem Kampfe; der Feldherr Leosthenes schlug das macedon. Heer bei Lamia (Zeituni), u. schloß es ein, wurde aber bei einem Ausfalle getödtet. Sein Nachfolger Antiphilus besiegte zwar ein macedon. Entsatzheer, konnte jedoch die Vereinigung eines zweiten mit dem unter Antipater in Lamia eingeschlossenen nicht verhindern, selbst die Bundesgenossen nicht von dem Abzuge in ihre Heimath zurückhalten, und so mußte wohl mit der Schlacht von Krannon die Selbständigkeit G.s zum 2. mal verloren werden (Aug. 322). Dessenungeachtet rang G. fortwährend nach seiner alten Freiheit u. die Kriege der Diadochen (der macedon. Feldherrn, welche das große Reich Alexanders in einzelne Königreiche theilten) begünstigten dieses Streben, das jedoch nur theilweisen u. vorübergehenden Erfolg hatte. Die Zerrüttung Macedoniens durch Thronstreitigkeiten und den gallischen Einfall (279) verschafften G. eine Frist, während welcher es eine neue Verfassungsform versuchte, nämlich die föderative, eine Verbindung, in welcher es keine herrschende Republik gab, sondern jede einzelne gleiche Berechtigung hatte. In Mittel-G. bildete sich nämlich die ätolische, im Peloponnes die achäische Eidgenossenschaft aus, welche den vollständigen Untergang nationaler Selbständigkeit noch um ein ganzes Jahrh. zurückhielten. Der achäische Bund vereinigte zuletzt nach hartem Kampfe gegen das widerstrebende Sparta den ganzen Peloponnes, selbst Megara und Athen, konnte es aber zu keinem Frieden mit den unruhigen u. treulosen Aetoliern bringen, und dieser Zwiespalt (Dualismus) verdarb G. Die Feindseligkeit der Aetolier mit Macedonien brachte zwischen dieser Macht und den Achäern ein befreundetes Verhältniß zu Stande, das zur macedon. Intervention führte; der Krieg Roms mit Macedonien verschaffte den Römern das Protectorat über G.; der Abfall der Aetolier zu König Antiochus von Syrien unterwarf die Aetolier der röm. Herrschaft (190), und als Macedonien untergegangen war (148) lösten die Römer den achäischen Bund auf, unter dem Vorwande, jede griech. Stadt habe das Recht frei zu sein. Dies erbitterte die Achäer und Arkadier dermaßen, daß sie aller Abmahnungen der Verständigen ungeachtet den Kampf gegen die röm. Riesenmacht unternahmen; ihre wenigen Tausende wurden bei Skarphea in Lokris u. auf dem Isthmus vernichtet, das reiche wehrlose Korinth ging in Flammen auf und 146 wurde G. unter dem Namen Achaja röm. Provinz. Selbst während der röm. Herrschaft machten die Griechen noch einmal einen Versuch ihrer Herren los zu werden, indem sie die Partei des Königs Mithridates nahmen; Athen mußte dieses hart büßen, indem Sulla einen Theil der Einwohner niederhauen und die Stadt einige Tage lang plündern ließ (86). – Unter den Römern gehörte G. zu den am meisten begünstigten Provinzen; die meisten Städte erfreuten sich röm. Municipalverfassungen, mehre Seeplätze wurden Handelsorte ersten Ranges, Cäsar baute Korinth wieder auf, Augustus verlieh Privilegien, Nero einige steuerfreie Jahre, Hadrian verwandte Millionen auf die Verschönerung Athens, u. die Reisebeschreibung des Pausanias beweist uns, daß G. noch zur Zeit der Antonine (180 n. Chr.) keineswegs im Verfalle und noch außerordentlich reich an Kunstschätzen aller Art war. Zwar empfanden die Griechen nicht selten den Druck proconsularischer Willkühr, dafür wurden sie gewissermaßen dadurch entschädigt, indem ihre Künstler, Schauspieler, Aerzte, Philosophen, Rhetoren, Grammatiker, Astrologen, Köche etc. die röm. Großen ausbeuteten und griech. Sklaven gelegentlich röm. Kaiser beherrschten (Claudius), wofür sie von strengen Römern Sophisten, Lügner etc. betitelt wurden. G. und vorzugsweise Athen blieb der Mittelpunkt des wissenschaftl. u. künstlerischen Lebens der alten Welt, bis zur Zeit der Völkerwanderung u. der byzantinischen Herrschaft, durch welche beide die antike Welt vernichtet wurde (Justinian I. schloß um 530 n. Chr. die Philosophenschulen zu Athen). Im 3. Jahrh. drangen die Gothen verwüstend in G. ein, im 4. verheerte es Alarich bis zu den Südspitzen des Peloponneses; germanische Seeräuber plünderten die Inseln und Küsten aus; im 6. Jahrh. zogen slav. Völker in das verödete Land, dessen Flüsse und Berge so wie die meisten Ortschaften seitdem slav. Namen tragen, zum Beweise, daß der größte Theil der jetzigen Bevölkerung nicht hellenischer sondern slav. Abkunft ist. Es gelang zwar den kräftigen byzantin. Dynastieen der Macedonier und Komnenen die eingewanderten Slaven zu unterwerfen u. zu byzantinisiren, aber G. wurde seit dem 11. Jahrh. ein Hauptziel für die Raubzüge der unteritalischen Normannen, ohne daß es denselben jedoch gelang, dauernde Eroberungen zu machen. Im 11. u. 12. Jahrh. begann bereits eine Lostrennung G.s von Konstantinopel, indem sich unabhängige Fürstenthümer (die sog. Despotate) bildeten. Als 1204 die Lateiner auf dem sog. 4. Kreuzzuge Konstantinopel erstürmten und aus den Trümmern des Reichs ein latein. Kaiserthum und eine große Anzahl von Fürstenthümern bildeten, bekam auch G. latein. Herren und es gab Herzoge od. Grafen von Athen, Theben, Achaja, Sparta, Vostitza etc., während die Venetianer sich der meisten Inseln bemächtigten. Alle diese Herrschaften haben für die Geschichte keinen Werth und fielen wenige Jahre nach der Eroberung Konstantinopels in die Gewalt der osman. zuletzt (1460) der Peloponnes, wo die Venetianer 1491 auch ihre Küstenfestungen einbüßten. Die osman. Herrschaft war unter den ersten kräftigen Sultanen für die Griechen nicht besonders drückend, weniger sogar als die der herabgekommenen Byzantiner u. der latein. Feudalherren. Die Ausübung der christl. Religion wurde nicht gestört, die Geistlichkeit erhielt sogar eine angesehene Stellung, viele Städte u. Inseln durften sich beinahe ganz frei regieren; daneben bestand allerdings die Kopfsteuer, die Unterhaltung der militär. Lehen, die verschiedenen Zölle, und es fehlte jedenfalls auch nicht an einzelnen Gewaltthaten. Erst mit dem Verfall der Pforte begann jenes Bedrückungssystem gegen die christl. Bevölkerung des Reichs, welches dieselbe zwang, die Befreiung von dem türk. Joche zu wünschen und ihre Blicke auswärts nach einer christl. Macht zu richten. Als die Venetianer 1684 ganz Morea, Attika und Böotien eroberten, fanden sie bei den Griechen selbst nicht die geringste Unterstützung und ebenso wenig als sie ihre Eroberungen 1716 wieder an die Türken verloren. Erst die russ. Siege unter Münich und Suwarow lenkten die Hoffnungen der Griechen auf Rußland als diejenige Macht, welche als der griech. Kirche angehörig, von der Vorsehung berufen sei, den Halbmond aus Europa zu verdrängen. Katharina II. machte kein Hehl daraus, daß sie es als Aufgabe der russ. Politik betrachte, den Bosporus u. Hellespont zu den südl. Thoren Rußlands zu machen und leitete nicht nur mit den Griechen in den Donauländern, sondern selbst auf Morea und den Inseln Verständnisse ein. Sie schickte 1764 eine Flotte unter Orlow in den Archipel u. als diese einige Tausend Russen auf Morea landeten, erfolgte 1770 ein Aufstand, der sich bis über Athen hinaus verbreitete, aber zum Verderben der Griechen ausschlug. Die wenigen Russen konnten der türk. Uebermacht nicht widerstehen, verkauften aber ihr Leben theuer, die griech. Haufen dagegen liefen auseinander und zerstreuten sich in ihre heimathlichen Thäler und Berge. Die Albanesen, welche die Pforte gegen die Aufständischen aufgeboten hatte, verwüsteten nun Morea 5 Jahre lang auf eine grauenvolle Weise u. mußten von Hassan Pascha mit Waffengewalt gezwungen werden, von der Ausmordung Moreas, das sie zu ihrem Wohnsitze bestimmt hatten, abzulassen. Die Angriffe Rußlands, die consequent von Zeit zu Zeit in klug gewählten Augenblicken unternommen wurden, steigerten die Schwäche der Pforte mehr u. mehr u. in gleichem Maße gewann die Willkür der Paschas weiteren Spielraum und mehrte sich in Folge davon die Bedrückung der christl. Bevölkerung. Rußland verlor Morea u. die Inselgriechen nie aus den Augen u. wirkte im Frieden von Jassy 1792 denselben die Begünstigung aus, daß sie unter russ. Flagge freie Schiffahrt haben sollten. Der lange Krieg gegen die Republik u. das Kaiserreich der Franzosen trug wesentlich zum Aufschwung der griech. Handelsmarine bei, indem dieselbe je nach den Zeitumständen unter russ. od. türk. Flagge segelte u. sich beinahe der ganzen Rhederei für den levantinischen Handel bemächtigte, so daß 1815 die Inselgriechen bereits 600 Kauffahrer besaßen, welche zum Schutze gegen die Seeräuber mit Bewilligung des Sultans Kanonen führen durften. Diese Seemacht war die Hoffnung u. Stütze des Aufstandes, der seit 1815 vorbereitet wurde. Ein anderes Element waren die Mainoten, die kriegerischen Bewohner der lakonischen Gebirge, die Sulioten im Gebirge von Aetolien, die christl. Albanesen, die Klephtenhäuptlinge (Anführer bewaffneter Banden, die den Paschaʼs Trotz boten, oft auch in deren Solde dienten) in den verschiedenen Gegenden des Landes. Napoleon hatte als Herr von Dalmatien u. der jonischen Inseln Verbindungen in G. angeknüpft u. nach seinem Sturze erwarteten die Griechen von dem christl. Europa, das um jene Zeit die Gebote der christl. Religion als das für die Zukunft leitende Prinzip der Politik erklärte, sichere Hilfe, wenn sie das unterdrückte Kreuz gegen den Halbmond erheben würden. Die Vorbereitungen zum Aufstand leitete die Hetärie, eine geheime Gesellschaft, 1814 von dem russ. Minister Capo dʼIstria, einem gebornen Corfioten, gestiftet, angeblich zur Beförderung der Bildung unter den Griechen. Die Fäden dieser Gesellschaft spannen vorzüglich die Fanarioten (die vornehmen Griechen in Konstantinopel selbst) u. sie überzogen damit das Festland u. die Inseln. Das Gelingen des Aufstandes schien keinem Zweifel unterworfen; die Pforte hatte keine disciplinirte Armee, der beste Theil der Flottenmannschaft waren Griechen, auf den Inseln war durchschnittlich kein Türke ansäßig, auf dem Festlande selbst die türk. Bevölkerung vielfach isolirt und nur in einzelnen Landstrichen massenhaft angesiedelt, das Zahlenverhältniß der Christen gegen die Türken in dem europäischen Theile des Reichs jedenfalls wie 3 gegen 1. Allein die sog. Griechen führen diesen gemeinschaftlichen Namen nur als Bekenner einer und derselben Religion, sonst aber sind sie als Walachen, Bulgaren, Rumelioten, Albanesen, Montenegriner, Moreaten etc. durch Sprache, Gesinnung u. Stammverschiedenheit getrennt und selbst gegenseitig verfeindet. Im Frühjahre 1821 überschritten einige Fanarioten (Ypsilanti, Kantucazeno etc.), die in russ. Kriegsdiensten gestanden waren, die Grenze u. proclamirten in den Donaufürstenthümern die Freiheit der Griechen. Sie fanden geringen Anhang, denn die Bojaren (die walachischen Edelleute) hatten bisher von den Türken ungehindert das Land aussaugen dürfen, u. die leibeigenen Bauern fanden in ihrem Schmutze der Armuth noch weniger Beruf, unbewaffnet sich gegen die Türken zu empören, die nur in den wenigen Festungen hausten. Der Aufstand wurde von den Türken ohne Anstrengung niedergeschlagen, die sog. hl. Schaar der Hetäristen den 15. Juni bei Targowitz vernichtet, Alexander Ypsilanti flüchtete nach Ungarn, wo er bis 1827 auf der Bergfeste Munkatsch in Hast gehalten wurde. Die kriegerischen Serben, die allein dem Aufstande einen Halt geben konnten, wollten von demselben nichts wissen, die Bulgaren und christl. Bosnier blieben theilnahmlos, die unsinnige Verschwörung in Konstantinopel selbst hatte die Ermordung des Patriarchen u. die Niedermetzelung von mehr als 10000 Griechen in der Hauptstadt zur Folge, welches Beispiel die türk. Bevölkerung in Adrianopel, Thessalonich, Smyrna etc. mehr od. weniger gräuelhaft nachahmte. Auch die Aufstände in Macedonien u. Thessalien wurden schnell und blutig unterdrückt, dagegen aber leisteten Mittel-G., Morea u. die Inseln, die im Frühjahre und Sommer 1821 die Fahne G.s aufgepflanzt hatten, erfolgreichen Widerstand. Die türk. Bevölkerung auf Morea flüchtete sich in die Küstenfestungen (Navarin, Patras, Modon, Koron, die beiden Napoli), und nach Tripolitza, wo sie beim Sturme am 5. Oktbr. niedergemetzelt wurde. Die Türken behaupteten in Mittel-G. Athen, Arta und Prevesa, sowie alle Festungen auf Euböa. Zu eigentl. Feldzügen u. Treffen kam es während des ganzen Krieges niemals; größere Operationen waren für die Türken in dem gebirgigen, aller Heerstraßen entbehrenden Lande eine Unmöglichkeit, weil sie die nothwendigen Lebensmittel nicht mitführen konnten. Ihre Angriffe beschränkten sich daher auf kurzdauernde Einfälle, bei denen sie gewöhnlich in den Gebirgspässen Verluste erlitten, während die Griechen jedesmal geschlagen wurden, wenn sie sich auf freieres Terrain wagten (so d. 16. Juli 1822 bei Peta, wo die meisten Philhellenen umkamen). Die Griechen waren noch weniger als die Türken im Stande einen festen Platz zu nehmen, da sie zum Sturme nicht den Muth, zur Belagerung keine Artillerie hatten, sie bemächtigten sich der türk. Festungen durch Aushungerung (Athen, Korinth, beide Napoli, Navarin), mit Modon, Koron u. Patras gelang es ihnen aber nicht, weil diese von dem Kapudan Pascha verproviantirt wurden. Die türk. Flotte spielte im Ganzen eine erbärmliche Rolle; einen Kampf mit ihren Linienschiffen u. schweren Fregatten vermieden die Griechen, deren leichte Schiffe meistens nur Sechspfünder führten, mit der größten Vorsicht, dagegen ängstigten sie den Kapudan Pascha durch ihre Brander dergestalt, daß er sich jedesmal hinter die Dardanellen barg, wenn er die Seeplätze verproviantirt oder einen raschen Schlag ausgeführt hatte (1822 im April Eroberung und Verwüstung von Chios; 1824 im Juli Einnahme von Ipsara). Nur die Indolenz der türk. Paschas u. der Geldmangel der Pforte sowie die Unterstützung der Griechen durch die Griechenvereine in England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz machten diese Dauer des Aufstandes möglich, zumal die Griechen selbst in die Parteien der Militärhäuptlinge und Primaten (der bürgerl. Häupter, in der Regel den Inseln angehörig) gespalten waren, welche Uneinigkeit sogar bis zum eigentl. Bürgerkrieg führte. Der Sultan bewog endlich den Pascha Mehemed Ali von Aegypten die Unterwerfung G.s zu übernehmen u. versprach ihm dafür Morea als Paschalik. Im Febr. 1825 landete Mehemeds Sohn Ibrahim mit 22000 Mann regulärer Truppen bei Modon, schlug die Griechen bei Navarin, erstürmte dieses u. durchzog Morea nach allen Richtungen, so daß nur die Maina, beide Napoli und Korinth unerobert blieben. Im April des folgenden Jahres überwältigte er mit Redschid Pascha das heldenmüthig vertheidigte Missolunghi u. kehrte zur vollständigen Unterwerfung Moreas zurück, während Redschid Pascha Athen, die letzte griech. Festung außerhalb Moreas, einschloß. Die Griechen waren dergestalt demoralisirt, daß ihre Regierung Ausländer herbeirief, als das letzte Rettungsmittel für die griech. Sache; Capo dʼIstria wurde auf 7 Jahre zum Präsidenten, der Engländer Church zum Obergeneral, der Engländer Cochrane zum Admiral ernannt; alle drei nahmen an, hätten aber G. doch nicht gerettet; denn dem Präsidenten gehorchten die Häuptlinge nicht, der neue General ließ sich am 6. Mai 1827 vor Athen schlagen, das bald darauf kapituliren mußte, der Admiral aber konnte die griech. Seeleute nicht zu seiner verwegenen Taktik ermuthigen, durch welche er so manches französ. u. span. Kriegsschiff genommen hatte. Da kam Rettung von Rußland, England u. Frankreich, die im Protokoll v. 6. Juli 1826 sich zur »Pacification« G.s verständigt hatten. Dieses sollte seine eigene Verwaltung und Regierung unter der Oberhoheit der Pforte erhalten und derselben jährlich einen bestimmten Tribut entrichten, überdies in sehr enge Grenzen eingeschlossen werden. Der Sultan wies aber die Anträge der 3 Mächte auch dann zurück, als deren Gesandte in Konstantinopel erklärten, die Pacification G.s werde nöthigenfalls mit Waffengewalt herbeigeführt werden, u. als eine combinirte Flotte unter den Admiralen Codrington, de Rigny und Heyden in den Gewässern Moreas erschien. Der Türkenhaß u. die Kampflust der Seeleute führten die Katastrophe von Navarin herbei; am 20. Oktober drangen die Linienschiffe der Verbündeten in den Hafen von Navarin ein, wo die türk.-ägypt. Flotte ruhig vor Anker lag; die herausfordernde Stellung der christl. Schiffe reizte die Mannschaft einer tunes. Fregatte und sie feuerte auf ein engl. Boot einige Flintenschüsse ab, worauf die Linienschiffe ihr Feuer eröffneten u. in nicht ganz 3 St. die türk.-ägypt. Flotte bis auf einige kleine Schiffe zusammenschossen. Auf diese schreiende Verletzung des Völkerrechts antwortete der Sultan dadurch, daß er den 3 Mächten die bestehenden Verträge kündete, wodurch er Rußland den Anlaß zu einer Kriegserklärung gab, die England als Mitschuldiger von Navarin nicht verhindern konnte (26. April 1828). Im Sommer landeten 16000 Franzosen unter General Maison auf Morea, worauf Ibrahim eine Kapitulation abschloß u. mit seinem Heere nach Aegypten zurückkehrte. Im Frieden von Adrianopel (1829) entschied Rußland sehr gegen die engl. Absichten das Schicksal G.s; es wurde unabhängig von der Pforte, begriff aber nur Morea u. von Mittel-G. so viel, als eine gerade Linie von dem Meerbusen von Volo bis zu dem von Arta abschneidet, außerdem die cycladischen Inseln. Die Krone des neu geschaffenen Königreichs trugen die Schutzmächte dem Prinzen Leopold von Sachsen-Coburg an (er war Wittwer der engl. Prinzessin Charlotte), dieser schlug sie aber aus, als seine Forderung, daß die Insel Kreta G. zugegeben werde, abgeschlagen wurde (1830). Unterdessen war G. der Schauplatz der widerlichsten Parteikämpfe geworden; der Präsident Capo dʼIstria, welcher im Februar 1828 die Dictatur über G. übernommen hatte u. sich auf den russ. Einfluß sowie auf die Militärpartei stützte, fand in der Partei der Primaten, denen der Mainotenhäuptling Peter Mauromichali u. die Inselgriechen angehörten, einen erbitterten Widerstand, sodaß abermals ein Bürgerkrieg entstand und Admiral Miaulis die Fregatte Hellas sammt dem Dampfer Karteria, die besten Kriegsschiffe der griech. Marine, in die Luft sprengte, damit sie nicht in die Hände des von dem russ. Admiral unterstützten Präsidenten fallen sollten. Am 9. Okt. 1831 wurde Capo dʼIstria von 2 Söhnen des Mauromichali ermordet, die beiden Brüder des Ermordeten vermochten sich nur kurze Zeit zu halten, die darauf eingesetzte provisorische Regierung fand keinen Gehorsam und es war die höchste Zeit, daß die Schutzmächte einschritten. Durch das Protokoll vom 7. März 1832 wurde der bayer. Prinz Otto zum griech. König gemacht und ein Anlehen von 60 Mill. Fr. verbürgt. Im Februar 1833 langte Otto in G. an, von 3500 Mann bayer. Truppen und einer Regentschaft für die Zeit seiner Minderjährigkeit begleitet. Die Regentschaft (Graf Armansperg, Staatsrath Maurer, General Heidegger und Legationsrath Abel) entfaltete eine große Thätigkeit und schuf wirklich viel Nützliches; an der vollständigen Wiederherstellung der Ordnung hinderte sie jedoch die Eifersucht der vornehmeren Griechen, vor allem aber der Kampf des russ. u. engl. Einflusses, der sich der griech. Parteien als Werkzeuge bediente. Rußland betrachtet G. nicht als künftigen Erben der osmanischen Pforte auf der Halbinsel des Hämus, sondern gleich Serbien und Bulgarien lediglich als detachirtes Corps, welches den russ. Angriff einleiten u. decken soll; England aber hindert das Aufkommen G.s mit jedem Mittel einer gewaltthätigen und ränkevollen Politik, weil es keine Seemacht in den Gewässern der Levante aufkommen lassen will. Deßwegen wurde es in G. um nichts besser, als 1835 König Otto die Regierung persönlich übernahm, als 1837 die fremden Minister nach Hause geschickt wurden, und noch weniger half es, als ein Militäraufstand zu Athen in der Nacht vom 14. auf den 15. Septbr. 1843 den König zur Einberufung einer Nationalversammlung zwang, welche G. eine sehr liberale Verfassung zuschnitt. Der engl. Gesandte reizte 1847 die Pforte bei Gelegenheit einer herben Aeußerung der griech. Regierung gegen die türk. Polizei zur Ausschließung der griech. Flagge aus den türk. Häfen, wodurch die griech. Seeleute gegen ihre eigene Regierung gestimmt werden sollten, u. diese konnte sich nur in sehr demüthigender Weise aus dieser Verwicklung herausarbeiten. Im Jahre 1849 weigerte sich die griech. Regierung, die unverschämten Entschädigungsforderungen des engl. Juden Pacifico anzuerkennen und zu bezahlen, worauf Lord Palmerston das Cabinet des griech. Königs zuerst durch die Sprache des gröbsten Uebermuths mißhandelte, hierauf G. blockirte, alle Schiffe wegnahm und dem griech. Handel fast unheilbare Wunden schlug. Die Vermittlung Frankreichs machte dem engl. Unwesen ein Ende, aber der Schaden war angerichtet und die Unzufriedenheit der Griechen frisch genährt worden. Dieser half kein Ministerwechsel ab u. keine Regierungsform wird ihr je abhelfen, so lange G. der Spielball auswärtiger Politik bleibt u. der Aufschwung seines Seehandels durch zeitenweise wiederholte Schläge der brutalen engl. Eifersucht gelähmt wird. Die Schutzmächte haben ein G. geschaffen, aber demselben durch eine verkümmerte Ausdehnung die Möglichkeit benommen selbständig zu existiren; es ist daher kein Wunder, wenn dasselbe sich auf Kosten der Türkei gelegentlich auszudehnen versucht, wie z.B. 1854 durch Unterstützung des Aufstandes in Epirus und Thessalien. Ob die Regierung durch Niederhaltung der Sympathien ihres Volks mit den Griechen in den benachbarten türk. Paschaliks u. durch ernstgemeinte Maßregeln gegen die Freischaarenzüge nach Epirus u. Thessalien nicht den Ausbruch einer griech. Revolution veranlaßt hätte, wodurch jedenfalls eine gefährlichere Bewegung in den südl. Provinzen der Türkei hervorgerufen worden wäre, bleibt dahingestellt; gewiß ist aber, daß Frankreich und England als Bundesgenossen der Türkei gegen Rußland eine von G. ausgehende Diversion zu Gunsten desselben nicht dulden konnten, sowie daß G. durch franz.-engl. Occupation u. die Maßregeln der Pforte einen Stoß erlitten hat, der die fernere Existenz eines griech. Staats unmöglich zu machen scheint. (Ueber die Geschichte des alten G.s vergl. die Werke von K. O. Müller, Grote, Wachsmuth, Hermann, Schorn, Manso, Drumann, Droysen; über die mittelalterliche: Le Beau, Finlay, Falknereier; über die neueste: Trikupi und Gordon.)


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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