Sparta

Sparta

Sparta, Lacedämon, Hauptst. der Landschaft Lakonien im südlichen Peloponnes, an Messenien, Arkadien u. Argolis gränzend, höchstens 100 QM. groß, gebirgig (der Taygetus steigt über 7000), nicht besonders fruchtbar, von dem Eurotas der Länge nach durchströmt. Die ältesten Einwohner wurden von den Achäern unterjocht oder vertrieben, diese selbst nach langem Widerstande u. nur allmälig von den Dorern bezwungen, welche eine heraklidische Dynastie in 2 Königen (von Eurysthenes und Prokles abstammend) an ihrer Spitze hatten. Nach langen Wirren stellte Lykurg um 880 v. Chr. einen geordneten Zustand her, indem er nicht so fast eine neue Verfassung gab, als die ächtdorischen Einrichtungen wieder feststellte u. ergänzte. Das ganze Volk zerfiel in 3 Klassen; die eigentlichen Spartaner od. Spartiaten in die Gemeinde S. vereinigt, die Periöken, die Nachkommen der Achäer, welche sich unter Bedingungen unterworfen hatten, endlich die Heloten, unterjochte u. zu Leibeigenen gemachte Achäer. Das ganze Gebiet, mit dem später eroberten Messene, war in 39000 Stücke (Kleren) getheilt, von denen 9000 größere den Spartanern, 30000 kleinere den Periöken gehörten. Diese bebauten ihre Grundstücke selbst, trieben auch Handwerke u. Verkehr, die eigentlichen Spartaner aber lebten nur der Politik, dem Krieg, den Festen, der Jagd; ihre Grundstücke wurden von den Heloten bewirthschaftet, von denen 6–7 Familien auf eine spartan. Familie kamen, der sie aber nicht als Eigenthum angehörten, indem sie Staatseigenthum waren. Kein Klere durfte getheilt werden; er erbte von dem Vater auf den ältesten Sohn, der aber auch seine anderen Brüder ernähren mußte, die dessen Weib mit ihm gemeinschaftlich hatten. Die Kinder wurden vom 7. Jahre bis zur Volljährigkeit gemeinschaftlich unter Aufsicht des Staats erzogen; körperliche und geistige Kräftigung und Abhärtung, Ehrliebe, Gemeinsinn, kriegerische Tüchtigkeit, Gewöhnung an Gehorsam waren die Zielpunkte. Auch die Männer fanden sich nach Sippschaften geordnet zu gemeinschaftlichen Mahlzeiten zusammen, die durch die Beiträge jedes einzelnen bestritten wurden. Kriegspflichtig waren alle Spartaner und Periöken, die Heloten zogen als Packknechte mit, mußten im Nothfalle aber auch als Soldaten dienen. An der Spitze des Staats standen die beiden Könige; sie waren die Priester, präsidirten im Rath, richteten in Familiensachen, führten im Kriege den unbeschränkten Oberbefehl. Die Volksversammlung bestand nur aus Spartanern; sie entschied über die von dem Senate (Gerusia) vorher berathenen Staatsangelegenheiten, durfte aber nicht selbst berathen sondern nur annehmen und verwerfen. Das Collegium der 5 Ephoren übte eine sehr ausgedehnte polizeiliche und richterliche Gewalt, indem es für die Aufrechthaltung der Verfassung zu sorgen hatte, und wurde zuletzt tyrannisch. Die spartan. Verfassung war also entschieden geeignet ein kriegerisches, stolzes Volk zu erziehen und das dorische Element in seiner Reinheit zu erhalten; dagegen war S. wegen seiner Abgeschlossenheit nicht im Stande an der Spitze der griech. Nation Großes zu leisten, so wenig als es die geistige Bildung der Nation zur vollen Blüte entwickeln konnte. Es überwand u. unterjochte das benachbarte Messene, demüthigte das rivalisirende Argos, gewann über den ganzen Peloponnes einen beherrschenden Einfluß u. suchte diesen auch über Mittelgriechenland auszudehnen. Als ächte Dorer unterstützten die S.ner in den griech. Staaten die Aristokratie gegen die Tyrannen eben so wohl als gegen die demokratischen Revolutionen, konnten jedoch in Athen die demokratische Entwicklung nicht verhindern. In den Perserkriegen ärnteten sie in den Thermopylen u. bei Platää hohen Waffenruhm, zeigten sich jedoch unfähig, weil ohne Seemacht u. Finanzen, u. unwillig dem Kriege den Umfang eines griech. Befreiungskrieges zu geben, räumten grollend den Athenern den Vorrang ein, zogen sich in den Peloponnes zurück und lauerten auf Gelegenheit, den Athenern engere Schranken anzuweisen. Diese gab die Rebellion der sogenannten Bundesgenossen gegen Athen; die Spartaner brachen in dem peloponnesischen Kriege die Macht Athens, errangen die Oberherrschaft, setzten überall Aristokratien ein u. verfuhren mit einer Härte, die sie allgemein verhaßt machte. Der Angriff des Königs Agesilaus auf die vorderen Provinzen des Perserreichs weckte die Feinde Spartas in Griechenland u. es rettete sein Uebergewicht in Hellas nur dadurch, daß es im Antalcischen Frieden 387 v. Chr. die asiat. Griechen Persien überließ, wofür dieses S. in Hellas unterstützte. Endlich brach Theben die spartan. Macht bei Leuctra 371 v. Chr.; Philipp von Macedonien u. Alexander fanden es nicht der Mühe werth, S. anzugreifen, u. als König Agis 330 v. Chr. aus Lakonien hervorbrach, schlug ihn Alexanders Feldherr Antipater bei Megalopolis. Wie bei Chäronea so fehlte S. auch im lamischen Kriege; als König Kleomenes die verrottete Verfassung auf blutigem Wege im Geiste Lykurgs reformirte und den kriegerischen Geist neu entflammte, diente dies nur zur Störung des achäischen Bundes, welche die Intervention Macedoniens herbeiführte, gegen die Kleomenes bei Sellasia 222 v. Chr. unterlag. Hierauf hatte S. Tyrannen (Machanidas u. Nabis), bekämpfte den achäischen Bund und blieb so lange ein Schauplatz wilden Treibens, bis es mit dem andern Griechenland unter Roms Botmäßigkeit kam. Unbedeutende Reste von S. haben sich unsern von Misitra unter dem Namen Paläochori erhalten.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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