Zeitungen


Zeitungen

Zeitungen, Zeitschriften, sind periodisch, täglich, wöchentlich, monatlich, vierteljährlich (Tagblätter, Wochenblätter, Monatblätter, Quartal- oder Vierteljahrschristen) erscheinende Schriften, welche die Verhältnisse der Gegenwart besprechen u. bilden einen eigenen, höchst einflußreichen Zweig der Literatur (Tagesliteratur, periodische Literatur). Mit Z. bezeichnet man gewöhnlich die täglich erscheinenden Zeitschriften (Tagblätter, franz.-deutsch Journale), mit Zeitschriften vorzugsweise die Wochen-, Monats- und Vierteljahrschriften; jene, die täglich erscheinenden, sind in der Form der Darstellung ungebundener, flüchtiger, mehr auf momentane Wirkung berechnet (sie bringen Neuigkeiten); diese erfordern eine systematische und gründliche Darstellung, weil sie Ueberzeugungen u. Kenntnisse pflanzen wollen. Die Z. dienen theils zur Verbreitung von Nachrichten politischer Natur, zur Besprechung politischer Gegenstände um auf die öffentliche Meinung zu wirken; ferner zur Benachrichtigung von allem, was auf dem Gebiete des Wissens (Theologie, Philosophie, Philologie, Geschichte, Länderkunde, Technik, Naturkunde, Medicin, Industrie, Handel etc.) geschieht, oder sie dienen zur bloßen Unterhaltung und zum Verkehr in Privatverhältnissen (Anzeigen, Annoncen). Eine Art Z. hatten bereits die Römer, indem die »acta diurna«, die überall hin versandt wurden, Bericht gaben über die Verhandlungen und Beschlüsse des Senats (zur Kaiserzeit jedoch unter Censur), der Gerichtshöfe, über Heirathen. Todesfälle etc. in wichtigen Familien, Verkäufe, Unglücksfälle etc. Das neuere u. eigentliche Zeitungswesen begann in Venedig, wo die Regierung schon im 15. Jahrh. geschriebene Berichte über wichtige Zeitereignisse an bestimmten Plätzen auslegte, die Jeder gegen Erlegung einer Gazetta (s. d.) lesen konnte. In Deutschland bestanden bereits 1568 handschriftliche Z. durch die Fugger in Augsburg, seit 1615 aber erschien die erste fortlaufende Zeitung in Frankfurt a. M. England erhielt seine erste Zeitung 1622, Frankreich 1631. Das erste literarische Journal hatte Frankreich im »Journal des Savans«, 1665, dem in Deutschland die »Acta eruditorum« 1682 folgten. Die Unterhaltungszeitschriften wurden in England durch Addison (s. d.) und Steele begründet. Die ausgedehnteste und großartigste periodische Literatur hat England, sowohl an täglichen Zeitungen: Times (s. d.), Morning Chronicle (Whigorgan), Standard (Toryorgan), Daily News (radicalisirend), als an Vierteljahrsschriften od. Reviews (Edinburgh-, Quarterly-, Westminster-Review; dazu kommt das treffliche kritische Athenäum). Frankreich hatte vor 1852 einflußreiche Journale an dem Journal des Débats (s. Bertin de Vaux), Constitutionnel, Presse National (s. Carrel); in vielfacher Hinsicht trefflich waren auch die »Revue de deux mondes«, das »l'Athenaeum français«; die »Revue contemporaine« und »Revue de Paris«, neuesten Ursprungs, kommen ihren Vorgängern in keiner Beziehung gleich. Die deutsche periodische Literatur ist zwar in allen Zweigen sehr reich, bringt aber wenige für die ganze Nation genießbare Früchte; von den politischen Blättern hat die »Allgemeine Zeitung« Cottas die weiteste Verbreitung, ist indessen wegen ihrer Grundsatzlosigkeit ohne Einfluß auf die öffentliche Meinung und wird nur wegen ihres reichen Materials gehalten; die »Vierteljahrsschrift« bei Cotta enthält zum Theil treffliche Abhandlungen, wird aber zu sehr vom Katheder herab versorgt; die »historisch-politischen Blätter« (s. Görres) behaupten sich als das erste Organ der kathol. Anschauung der Weltlage, dagegen hat das bei Cotta erscheinende »Ausland« seit dem Tode seines Redactors Wiedemann sehr an Bedeutung verloren. Zahlreich sind die kritischen Zeitschriften, u. Schul- od. pädagogische Blätter hat Deutschland mehr als die gesammte andere civilisirte Welt.


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