Khalif


Khalif

Khalif (Stellvertreter), die Nachfolger Mohammeds, als weltliche u. geistliche Oberhäupter der Moslemin. K. at, das von ihnen gestiftete große Reich, das die Stadien aller orientalischen durchlief: wunderbar schnelle Eroberung, kurze Blüte nach der Einrichtung des Reichs, Serailregierung, Zerrüttung, Losreißung der einzelnen Theile, Untergang. Die ersten K.en wurden durch die arab. Stämme gewählt: Abubekr, Omar, Othman, Ali (s. die einzelnen Art.), unter denen Syrien, Palästina, Aegypten, Persien u. der größte Theil Nordafrikas erobert wurde. Mit Morawijah (661) beginnt die Dynastie der Ommajaden, die 750 unter Merwan II. blutig unterging. Der Sitz des Reichs wurde Damaskus, Arabien fast unabhängig, so daß der K. selbst die hl. Städte erstürmen mußte; die Verwaltung des Reichs wurde nach dem Muster der byzantinischen eingerichtet, byzantinische Bildung aufgenommen u. so die eigenthümliche arab. entwickelt. Erobert wurden Chowaresmien, Turkestan, Galatien und Spanien; durch die Niederlagen bei Tours u. Narbonne fand die Ausbreitung des Islam im westl. Europa ihr Ziel. Mit Abul Abbas (750) eröffnet sich die Reihe der Abbasiden, unter denen das Reich den höchsten Glanz erreichte und unterging. Al-Mansor baute 764 Bagdad. Harun al Raschid, der Zeitgenosse Karls d. Gr., sowie sein Sohn Al-Mamun (813 bis 833) sind berühmt als Beschützer der Künste und Wissenschaften; aber schon unter ihnen begann die Losreißung einzelner Provinzen, nachdem der geflüchtete Ommajade Abderrhaman sich bereits 756 in Spanien zum K.en aufgeworfen hatte. Es bildeten sich um 800 die unabhängigen Dynastien der Aglabiden in Tunis, die Sicilien eroberten, der Edrisiden in Fez, 821 die der Thaheriden in Korasan, später machten sich Syrien, Aegypten u. Persien unabhängig; übrigens wechselten auch in diesen Ländern die Dynastien nach der morgenländischen Weise. Seit 842 nahm en die K.en türk. Söldner in ihre Heere auf und die Anführer derselben spielten bald dieselbe Rolle wie die der germanischen Söldner unter den letzten röm. Kaisern; schon 934 regierte der Commandant der türk. Leibwache des K.en in dessen Namen unter dem Titel Emir al Omra den Rest des Reiches. Türk. Stämme setzten sich in demselben fest und deren Fürsten anerkannten nur dem Namen nach die Oberhoheit des K. en. Unmittelbar nach Dschingiskhan eroberten 1258 die Mongolen Bagdad und der 56. K,. Motassem, floh nach Aegypten, wo seine Nachkommen bis 1538 den Titel K. führten. Seitdem nahmen ihn die osmanischen Sultane an. ihre Würde als geistliches Oberhaupt der Moslemin wird aber von den Schiiten nicht anerkannt. (Weil: Geschichte der Khalifen, 3 Bde., Mannheim 1846–51.)


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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