Steuerbewilligung

Steuerbewilligung

Steuerbewilligung und Steuerverweigerung. In den mittelalterlichen Staaten hatte die Regierung ihr eigenes Vermögen (Domänen, Regalien), mit dem sie die Kosten der Administration bestreiten mußte. Mit der weiteren Entwicklung des Staats wurden diese Mittel unzulänglich u. die Stände (d.h. die Vertreter der Stände, in welche sich das Volk theilte) entschlossen sich dazu den Mehrbedarf durch Steuern zu decken, denn ohne deren Einwilligung konnte bei den damals bestehenden Rechten und Privilegien keine neue Steuer umgelegt werden. Weil die Kosten der Staatsregierung sich nicht verminderten, wurden aus den ursprünglich provisorischen od. außerordentlichen Steuern definitive od. ordentliche, die ohne weitere ständische Bewilligung erhoben wurden; hingegen machten die Stände ihr Bewilligungsrecht entschieden geltend, wenn der Regent zu außerordentlichen Zwecken, z.B. einem Krieg, eine neue Steuer verlangte (daher das sprichwörtliche: »wo wir nicht mitrathen, wollen wir auch nicht mitthaten«). Der 30jährige Krieg und die Zeit Ludwigs XIV. machte in den meisten deutschen Staaten dem alten Ständewesen ein Ende; das seit 1814 u. 1848 entstandene aber ruht auf anderer Grundlage, indem ja die ständische Gliederung des Volks selbst bis auf wenige Reste in dem Staatsbürgerthum aufgelöst ist. Die neuen Constitutionen geben in der Regel der Kammer der Deputirten das Recht der Steuerbewilligung, ohne zwischen ordentlichen u. außerordentlichen Steuern zu unterscheiden; ein Steuerbewilligungsrecht gibt es aber nicht ohne ein Steuerverweigerungsrecht, somit kann die Mehrheit der Deputirtenkammer der Regierung nicht etwa nur eine außerordentliche Steuer, sondern geradezu jede Steuer verweigern d.h. die Regierung unmöglich machen, wenn sie nicht nach dem Sinne der Kammer geführt wird. Damit ist man bei der Revolution angekommen, wenn nicht der eine Theil sich einer solchen Schwäche bewußt ist, daß er sich dem andern zu fügen für gerathen findet. Der deutsche Bund hat durch die bekannten Beschlüsse im Sommer 1831 die Verweigerung des Gesammtbudgets durch die Kammern und jede Verweigerung einer Steuer aus andern als finanziellen Gründen als unstatthaft erklärt.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Steuerbewilligung — u. Steuerverweigerung ist als Recht der Volksvertretung nicht erst mit der konstitutionellen Staatsform anerkannt worden. Die Entstehung dieser Befugnis reicht vielmehr viel weiter zurück. Den mittelalterlichen Ständen in den einzelnen deutschen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Hannover [2] — Hannover (Geschichte). I. Älteste Geschichte, bis zur Gründung einer besonderen Linie Braunschweig Lüneburg, bis 1569. Das jetzige Königreich H. wurde zum größten Theil von Sachsen (Westfalen, Ostfalen, Engern) bewohnt, dazu kamen im NW. Friesen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Preußen [2] — Preußen (Gesch.). Das eigentliche Königreich P. (Ost u. Westpreußen), wurde in der ältesten geschichtlichen Zeit, im 4. Jahrh. n.Chr., diesseits der Weichsel von den germanischen Gothonen, jenseit von den slawischen Venetä (Wenden) bewohnt; an… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Arnsberger Landtag — Der Landtag des Herzogtums Westfalen, auch westfälische Landständeversammlung oder nach dem Tagungsort auch Arnsberger Landtag genannt, war seit dem Spätmittelalter und während der frühen Neuzeit bis zur Aufhebung 1806 die ständische… …   Deutsch Wikipedia

  • Brabanter Revolution — Flagge der Brabanter Revolutionäre. Auf die Farbgebung dieser Flagge geht die spätere Flagge Belgiens zurück. Am 24. Oktober 1789 brach die Brabanter Revolution aus. Sie fand damit nahezu zeitgleich zu anderen Revolutionen statt, stand aber unter …   Deutsch Wikipedia

  • Hildesheimer Landschaft — Das Haus der Landschaft 1818 1945 in Hildesheim (nach Kriegszerstörung 1975 wiederaufgebaut, seitdem Stadtarchiv) Die Landschaft des ehemaligen Fürstentums Hildesheim ist die immer noch existierende Landschaft des Fürstentums Hildesheim. Sie ist… …   Deutsch Wikipedia

  • Hildesheimer Ritterschaft — Das Haus der Landschaft 1818 1945 in Hildesheim (nach Kriegszerstörung 1975 wiederaufgebaut, seitdem Stadtarchiv) Die Landschaft des ehemaligen Fürstentums Hildesheim ist die immer noch existierende Landschaft des Fürstentums Hildesheim. Sie ist… …   Deutsch Wikipedia

  • Landschaft Hildesheim — Das Haus der Landschaft 1818 1945 in Hildesheim (nach Kriegszerstörung 1975 wiederaufgebaut, seitdem Stadtarchiv) Die Landschaft des ehemaligen Fürstentums Hildesheim ist die immer noch existierende Landschaft des Fürstentums Hildesheim. Sie ist… …   Deutsch Wikipedia

  • Landschaft des ehemaligen Fürstentums Hildesheim — Das Haus der Landschaft 1818 1945 in Hildesheim (nach Kriegszerstörung 1975 wiederaufgebaut, seitdem Stadtarchiv) …   Deutsch Wikipedia

  • Landtag (Herzogtum Westfalen) — Der Landtag des Herzogtums Westfalen, auch westfälische Landständeversammlung oder nach dem Tagungsort auch Arnsberger Landtag genannt, war seit dem Spätmittelalter und während der frühen Neuzeit bis zur Aufhebung 1806 die ständische… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”