Etruria


Etruria

Etruria, Tuscia, bei den Griechen Tyrrhenia, der Theil Mittelitaliens zwischen den Flüssen Macra und Tiber, dem tyrrhen. Meere und dem Kamm des Apennin, von sehr verschiedener Bodenbeschaffenheit, im Ganzen fruchtbar und von seinen alten Bewohnern unübertrefflich angebaut. Diese nannten sich selbst Rasenen und sollen aus Rhätien über den Po an den Arno und Umber vorgedrungen sein, wo sie sich mit den pelasgischen Tyrrhenen, die aus Lydien eingewandert waren, zu einem Volke vermischten. In ihrer Blütezeit besaßen sie jenseits des Apennin Mantua, Felsina (Bologna), diesseits aber hatten sie Capua, Nola etc. und andere Ansiedelungen bis Campanien vorgeschoben. Die Gallier verdrängten sie vom Po und die dortigen Rasenen sollen wieder nach Rhätien zurückgegangen sein, die süditalien. Städte aber fielen in die Gewalt der Samniter. Ihre größeren Städte (12 oder 17) standen in einem lockern Bündniß, das mehr religiöser als polit. Natur war; jede einzelne Stadt hatte eine aristokratische Verfassung, einen Senat, aus den Häuptern der patricischen Familien (Lucumonen) zusammengesetzt, an deren Spitze früher ein König stand. Die Religion der Etrusker war düster, sehr ausgebildet, lehrte einen Cultus der Todten, die Beobachtung der Augurien, Auspicien etc., welche von ihnen systematisirt war, besonders spielte der Blitz eine große Rolle. Ihre Götter wohnten im Norden und theilten sich in 2 Classen: die Verhüllten (Aesar) und die Unteren (Consentes), an deren Spitze Tina (Jupiter, Jufe) stand. Die etruskische Kunst befaßte sich hauptsächlich mit dem zum Leben Nothwendigen und Nützlichen; von den cyklopischen Mauern der alten Städte sind noch viele erhalten, am bedeutendsten sind jedoch ihre Gräber. Dieselben sind entweder vierseitige Pyramiden oder Felsenhöhlen mit architekton. Façade od. Grabhöhlen in Tuffstein. Aus ihnen hat man bereits unzählige Urnen, Schmucksachen verschiedener Art etc. an den Tag gefördert, welche beweisen, daß die Etrusker in der Töpferei, dem Erzgusse und verschiedenen Metallarbeiten sehr weit voran waren, zugleich aber auch vom Einflusse der griech. Kunst auf die etrusk. Zeugniß geben. Ihre Zeichnungen sind steif, die Malerei benutzte schöne Farben, ist aber ohne Naturwahrheit. Die Tempel der E. waren quadratisch, die Säulen den dorischen nachgebildet. – Auf die Entwicklung Roms hatte E. großen Einfluß sowohl durch Colonisation (Servius Tullius), als durch die Mittheilung der Religion und des Cultus; ohne Zweifel hat sich auch die röm. Baukunst, das röm. Handwerk und der röm. Ackerbau an etrur. Muster emporgearbeitet. Rom vernichtete aber E.s Selbstständigkeit, nachdem das selbe durch Gallier und Samniter in Ober- und Unteritalien seine Ausläufer, durch die griech. Seemächte Syrakus und Massilia sein Uebergewicht in den ital. Gewässern verloren hatte. Fast 100 Jahre widerstand Veji dem benachbarten Rom (485–396 v. Chr.), das übrige E. aber nur kurze Zeit. Später erhielten die etrurischen Städte röm. Bürgerrecht, litten jedoch unersetzlichen Schaden in den Kämpfen bei dem Untergange der röm. Republik. Die als Römer auftretenden E. sind an der Endsylbe ihres Namens kenntlich, z.B. Mäcenas, Perpena, Cäcina etc. Vgl. Toscana.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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