Carnot [1]

Carnot [1]

Carnot (Carno), Lazare Nicolas Marguerite, geb. 1753 zu Nolay (Côte dʼor), Sohn eines Advocaten, gewann zu Autün die Preise der Rhetorik und Philosophie und kam 1769 nach Paris in die Ingenieurschule; 1771 trat er in das Geniecorps, veröffentlichte 1783 sein von der Akademie zu Dijon gekröntes »eloge de Vauban«, 1784 den »Essai sur les machines en general« (Dijon 1784, 1810), alsdann Gedichte in einem Musenalmanach. Das Jahr 1789 fand ihn als Capitän und 1791 als Deputirten der gesetzgebenden Versammlung. Er wirkte zunächst für Entlassung der adeligen Offiziere, erklärte sich als Mitglied mehrerer Comités in allen Berichten gegen die Monarchie, nahm thätigen Antheil am 10. August und stimmte für Ludwigs XVI. Tod, den »Gerechtigkeit ebenso sehr als Politik verlange«; nach der Restauration entschuldigte er sich hinsichtlich dieser Abstimmung öffentlich mit der »Macht der Verhältnisse«. Nachdem er als Commissär bei Furnes und Wattignies gefochten, leitete er als Mitglied des Wohlfahrtausschusses das ganze Kriegswesen. Robespierre, Couthon und St. Just waren beständig gegen ihn, doch C. war unentbehrlich, denn Frankreich wußte, daß er »den Sieg organisire«. Nach dem 9. Thermidor wäre C. auf Legendreʼs Antrag dennoch als »Mitverschworner der Triumviren« verhaftet worden, wenn Bourdon von der Oise die Lorbeern der 14 Armeen nicht energisch für ihn geltend gemacht hätte. Von 14 Departements zugleich gewählt, saß C. im Rathe der Alten, verschaffte als Mitglied des Directoriums Bonaparten zumeist den Oberbefehl in Italien u. fand neben der Leitung des Kriegswesens Zeit, sich an der Gründung der polytechnischen Schule u. des Nationalinstitutes zu betheiligen. Barras Intriguen bewirkten, daß C. das Kriegsportefeuille genommen wurde, ein mißlungener Versuch, jenen zu stürzen, 1797 Verurtheilung zur Deportation. C. floh in die Schweiz, machte in einer energischen Antwort auf den Bericht Bailleuls über den 18. Fructidor von Deutschland aus die Schändlichkeit der Directoren weltbekannt und trug dadurch vieles zum Sturze derselben bei. Nach dem 18. Brümaire kehrte er zurück, wurde inspécteur général aux revues u. 1800 Kriegsminister. Ein Republikaner wie C. konnte nicht lange Napoleons Minister sein; seit 1802 Volkstribun bekämpfte er ebenso vereinzelt als erfolglos das lebenslängliche Consulat und Kaiserthum. Später zog er sich in das Privatleben zurück. schrieb auf Napoleons Veranlassung sein bestes Werk: »sur la defense des places fortes« und erhielt 1809 eine Pension von 10000 Frcs. Erst 1814 bot C. Napoleon seine Dienste an, wurde Gouverneur von Antwerpen und behauptete den wichtigen Platz bis nach dem Falle Napoleons. Die Bourbons aber anerkannten C.s Grad als Generallieutenant u. gaben ihm das Ludwigskreuz zurück, das er vor der Revolution getragen. 1815 machte Napoleon ihn zum Pair, Grafen u. Minister, denn bereits 1814 hatte C. in einem »Mémoire au Roi« die Politik der Bourbonen getadelt und an deren Sturz gearbeitet. Er stimmte nach der Schlacht bei Waterloo ganz allein gegen Napoleons Abdankung, suchte aber vergeblich den Muth der provisorischen Regierung. deren Mitglied er war, zu beleben. Aus Frankreich 1815 verwiesen zog er nach Warschau u. dann nach Magdeburg, wo er 1823 st. Seine mathematischen und militärischen Werke verschafften ihm fast ebensoviel Ruhm als seine politische Laufbahn; weniger Talent besaß er für die Dichtkunst, wie das komische Heldengedicht »Don Quichotte« (Leipzig 1820, 12) beweist. Nach seinem Tode erschienen: »Mémoires historiques et militaires sur C.« (Paris 1824); wichtig C.s: »Exposé de la conduite politique de C. depuis le 1 juillet 1814« (Paris 1815) und »Correspondance de Napoléon Bonaparte avec le comte C.« (Paris 1819).


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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